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Praxisorientierte Weiterbildung in Marketing und KI
Sechs Newsletter, die wir selbst lesen

Fundstücke

Sechs Newsletter, die wir selbst lesen

Fünfzehn abonnierte Newsletter, zwölf ungelesen im Archiv, ist keine Informationsquelle. Sechs, die bei uns wirklich gelesen werden — drei zu KI, drei zu Marketing.

Armand Lidtke

Armand Lidtke

Co-Gründer TROPEN Academy

Ein Postfach mit fünfzehn abonnierten Newslettern, von denen zwölf ungelesen im Archiv landen, ist keine Informationsquelle — es ist ein schlechtes Gewissen mit Absenderadresse. Deshalb lohnt sich die Frage nicht „was sollte man abonnieren", sondern „was liest man tatsächlich, wenn die Benachrichtigung kommt". Die meisten Newsletter-Empfehlungslisten sind eigentlich Werbung, nur ohne Auftraggeber — jeder empfiehlt dieselben zehn großen Namen, weil sie jeder kennt, nicht weil sie tatsächlich regelmäßig gelesen werden. Hier stattdessen sechs, die bei uns wirklich im Postfach landen und geöffnet werden, nicht nur abonniert und dann ignoriert. Drei zu KI, drei zu Marketing — weil beide Felder sich gerade so schnell bewegen, dass man an mindestens einer Stelle laufend mitlesen muss.

Für den täglichen Überblick: The Rundown AI

Wer nur fünf Minuten am Tag für KI-News übrig hat, bekommt hier die verlässlichste Kurzfassung — ohne die Aufregung, mit der viele andere KI-Newsletter jede kleinere Ankündigung zur Revolution erklären. Genau diese Nüchternheit macht ihn brauchbar für den Alltag: Man muss nicht mehr selbst filtern, was tatsächlich relevant ist und was nur laut war.

Für technisch Interessierte: TLDR AI

Dichter, weniger erklärend, mehr für Leute, die schon wissen, wovon die Rede ist. Wenn ein neues Modell oder Tool veröffentlicht wird, steht hier meist die knappste, am wenigsten werbliche Einordnung dazu — was tatsächlich neu ist, nicht nur, was in der Pressemitteilung steht. Gut geeignet, um technische Entwicklungen zu verfolgen, ohne jede Fachpublikation selbst lesen zu müssen.

Für die Bastler-Perspektive: Ben's Bites

Weniger an große Ankündigungen orientiert, mehr an dem, was einzelne Entwickler:innen und kleine Teams gerade tatsächlich bauen. Das ist der Newsletter, der am ehesten zeigt, was mit den großen Modellen in der Praxis passiert, bevor es in irgendeiner offiziellen Fallstudie auftaucht — oft die besten Ideen für eigene kleine Automatisierungen.

Für den Marketingblick von außen: Marketing Brew

Amerikanisch geprägt, aber gerade deshalb ein guter Kontrast zum eigenen Blick: Welche Kampagnen, Plattform-Änderungen und Branchendiskussionen dominieren dort, wo viele Trends zuerst sichtbar werden, bevor sie hier ankommen. Nützlich, um nicht überrascht zu werden von einer Entwicklung, die anderswo schon zwei Monate lang Thema war.

Für die deutsche Marketingszene: OMR Daily

Der naheliegende Punkt für alles, was in der deutschsprachigen Marketing- und Digitalbranche passiert — Personalien, Plattform-News, Kampagnen, Studien. Nicht jede Ausgabe ist gleich relevant für die eigene Arbeit, aber als tägliches Hintergrundrauschen der Branche unverzichtbar, gerade weil er so nah an dem ist, worüber Kund:innen und Wettbewerber gerade sprechen.

Für den Praxisbezug im Berufsalltag: Superhuman AI

Der Newsletter mit dem klarsten Fokus auf „was bringt mir das heute in meiner Arbeit", statt auf die neuesten Forschungsergebnisse. Konkrete Anwendungsfälle, kurze Anleitungen, wenig Hype — passt gut zu allen, die KI-Tools nicht aus Neugier, sondern aus Zeitdruck einsetzen wollen.

Wie diese Liste im Alltag genutzt wird

Sechs Newsletter klingt nach viel, bis man sieht, wie unterschiedlich ihre Lesezeit ist. The Rundown AI und Superhuman AI sind auf fünf Minuten ausgelegt und werden entsprechend meistens direkt beim Erscheinen gelesen. TLDR AI und Ben's Bites landen eher in einer ruhigeren Pause, weil sie dichter geschrieben sind und mehr Aufmerksamkeit verdienen, als man ihnen zwischen zwei Terminen schenken kann. OMR Daily und Marketing Brew laufen oft im Hintergrund mit — überflogen, nicht mit gleicher Tiefe gelesen wie die anderen vier, aber wichtig genug, um nicht abbestellt zu werden, weil dort zuerst auffällt, wenn sich in der Branche etwas verschiebt.

Diese Unterscheidung ist selbst schon eine kleine Lektion: Nicht jede Informationsquelle verdient dieselbe Aufmerksamkeit, und ein Postfach mit zu vielen gleich priorisierten Newslettern führt zuverlässig dazu, dass irgendwann keiner mehr wirklich gelesen wird. Sechs mit klar unterschiedlicher Funktion funktionieren besser als zwanzig, die alle irgendwie „wichtig" erscheinen.

Warum diese Mischung

Der gemeinsame Nenner der sechs ist nicht das Thema, sondern das Verhältnis von Informationsgehalt zu Lesezeit. Jeder davon liefert in wenigen Minuten etwas, das eine eigene Recherche ersetzt hätte — und jeder vermeidet weitgehend die Übertreibung, mit der ein großer Teil der Newsletter-Landschaft um Aufmerksamkeit wirbt. Newsletter, die jede Ausgabe als bahnbrechend ankündigen, verlieren nach spätestens drei Wochen ihre Wirkung, weil das Wort „bahnbrechend" nichts mehr bedeutet. Diese sechs haben diese Inflation bisher vermieden, und genau deshalb bleiben sie abonniert, während andere längst wieder abbestellt wurden.

Diese Liste ist außerdem kein statisches Ranking. Newsletter verändern sich, Redaktionen wechseln, manche werden mit der Zeit werblicher, andere schärfen sich gerade erst. Es lohnt sich, die eigene Liste alle paar Monate bewusst zu hinterfragen, statt Abonnements aus reiner Gewohnheit weiterlaufen zu lassen — genau die Trägheit, vor der diese sechs bisher bewahrt geblieben sind, droht am Ende auch der eigenen Auswahl, wenn sie nie überprüft wird.

Ein Newsletter, der nicht gelesen wird, liefert exakt so viel Information wie gar keiner — kostet aber trotzdem die kleine mentale Last eines weiteren ungelesenen Punkts im Postfach.

Ein einfacher, ehrlicher Test dafür, ob ein Newsletter noch seinen Platz verdient: Wird er geöffnet, sobald er ankommt, oder sammelt er sich im Posteingang, bis eine Aufräumaktion ihn wegklickt? Newsletter, die regelmäßig in die zweite Kategorie fallen, sollten abbestellt werden, so nützlich sie in der Theorie klingen.

Timm Rohles

Timm Rohles

Co-Gründer, verantwortet Curriculum und Erstgespräche

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