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Praxisorientierte Weiterbildung in Marketing und KI
Wir haben eine Kaffeemarke erfunden, um KI-Marketing zu unterrichten

Making-of

Wir haben eine Kaffeemarke erfunden, um KI-Marketing zu unterrichten

TROPEN Kaffee existiert nicht — trotzdem arbeiten unsere Teilnehmenden wochenlang für diese fiktive Marke. Warum ein erfundener Fall mit eingebauten Zielkonflikten mehr lehrt als ein echter Kunde.

Timm Rohles

Timm Rohles

Co-Gründer TROPEN Academy

TROPEN Kaffee gibt es nicht. Es gibt keinen Rösterei-Standort, keine Gründungsgeschichte, keine echten Umsatzzahlen. Und trotzdem verbringen die Teilnehmenden in der Weiterbildung zum KI-Marketing-Manager:in einen großen Teil der 21 Wochen damit, für genau diese Marke zu arbeiten — Content-Strategien zu bauen, Kampagnen zu planen, Automatisierungen aufzusetzen, Vertriebstexte für zwei völlig unterschiedliche Zielgruppen zu schreiben. Alles für eine Kaffeemarke, die wir uns ausgedacht haben.

Das ist eine bewusste Entscheidung, keine Verlegenheitslösung, weil wir keinen echten Kunden hatten.

Der Fall: ein Budget, zwei Geschäfte

TROPEN Kaffee verkauft Kaffee auf zwei Wegen. Über einen D2C-Onlineshop an Endkund:innen, die Wert auf Herkunft, Röstung und eine Geschichte hinter dem Produkt legen — klassisches Markenerlebnis, visuell, emotional, auf Instagram und im eigenen Newsletter zuhause. Und im B2B-Vertrieb an Gastronomiebetriebe, die etwas völlig anderes wollen: verlässliche Liefermengen, einen fairen Preis pro Kilo, einen Ansprechpartner, der ans Telefon geht, wenn die Maschine streikt. Zwei Kundengruppen, zwei Erwartungen, zwei Sprachen.

Und beide teilen sich ein Marketingbudget, das für keine der beiden Seiten allein üppig wäre — geschweige denn für beide gleichzeitig.

Das ist der eigentliche Lernstoff. Nicht „wie baut man eine Content-Strategie", sondern: Wohin geht das nächste Budget, wenn der B2B-Vertrieb dringend eine überarbeitete Produktseite mit Preislisten für Gastronomen braucht, während der D2C-Shop gerade erst Reichweite aufbaut und jede Woche ohne neuen Content Sichtbarkeit verliert? Es gibt in diesem Fall keine Antwort, die beide Seiten zufriedenstellt. Genau das ist Absicht.

Warum Zielkonflikte eingebaut werden, statt sie zu vermeiden

Die meisten Fallstudien in der Weiterbildung — auch die, die wir selbst früher genutzt haben — sind so konstruiert, dass am Ende eine saubere, eindeutig richtige Lösung steht. Das fühlt sich beim Lernen gut an und hat mit der Realität wenig zu tun. In echten Unternehmen konkurrieren Ziele permanent miteinander: Reichweite gegen Konversion, Markenaufbau gegen kurzfristigen Umsatz, eine Zielgruppe gegen die andere. Wer nur lernt, wie man eine Kampagne von null aufbaut, aber nie üben musste, eine gute Idee zurückzustellen, weil eine andere Priorität dringender ist, lernt nur die halbe Arbeit.

Bei TROPEN Kaffee ist der Konflikt zwischen D2C und B2B von Anfang an eingebaut, mit echten Zahlen zu Budget, Kapazität und Zeitdruck, die im Kursverlauf variiert werden. Mal muss eine Kampagne innerhalb einer Woche stehen, mal ändert sich die Vorgabe der (fiktiven) Geschäftsführung mitten in der Planung. Die Teilnehmenden müssen priorisieren, Kompromisse verteidigen und mit den Konsequenzen ihrer eigenen Entscheidungen weiterarbeiten — genau wie im echten Job, nur ohne dass ein realer Umsatz auf dem Spiel steht.

Warum ein erfundener Fall mehr taugt als ein echter Kunde

Ein echter Kunde bringt echte Beschränkungen mit, die mit dem Lernziel nichts zu tun haben: Geheimhaltung, die verhindert, dass Teilnehmende offen über Zahlen sprechen. Eine Realität, die sich während des Kurses ändert, weil das Unternehmen zwischendurch eine neue Strategie beschließt und der Fall damit hinfällig wird. Und eine einzige Version der Wahrheit — die des Kunden —, während Marketingentscheidungen fast immer mehrere vertretbare Antworten haben.

Ein erfundener Fall hat keine dieser Beschränkungen. Er kann jedes Kohortenjahr wieder verwendet werden, ohne zu veralten. Er kann Fehler enthalten, die absichtlich eingebaut wurden, um bestimmte Denkfehler sichtbar zu machen — etwa die Versuchung, eine Zielgruppe zu bevorzugen, nur weil sie sich einfacher bespielen lässt. Und er erlaubt es, mit offenen Karten zu spielen: Alle Zahlen, alle Zielkonflikte, alle Budgetgrenzen liegen auf dem Tisch, weil niemand ein echtes Geschäftsgeheimnis schützen muss.

Das ist auch der Grund, warum kein anderer Anbieter diesen Artikel schreiben kann. Man kann eine Methode kopieren. Einen durchdachten, über Kohorten hinweg verfeinerten Fall mit eingebauten Widersprüchen nicht — der entsteht nur, wenn man ihn selbst über mehrere Durchläufe hinweg gebaut, getestet und nachgeschärft hat.

Wie der Fall durch den Kurs wandert

TROPEN Kaffee taucht nicht als einmalige Übung auf, sondern begleitet die Teilnehmenden durch mehrere der sieben Module hindurch, von KI-Agenten und Automatisierung über Content-Marketing und Social Media bis zu Performance-Marketing, Vibe Coding und E-Commerce. Das ist bewusst so gebaut: Eine Entscheidung, die in Woche vier für den B2B-Vertrieb getroffen wird — etwa, den persönlichen Kontakt zu priorisieren statt eine automatisierte Vertriebs-Pipeline aufzubauen —, hat in Woche zwölf Konsequenzen, wenn es um Skalierung und Automatisierung geht. Wer früh eine Abkürzung genommen hat, spürt später, was das gekostet hat.

Das erzeugt nebenbei auch etwas, das in vielen Weiterbildungen fehlt: eine gemeinsame Sprache innerhalb einer Kohorte. Wenn ein Modul mit einem Verweis auf „das B2B-Problem von letzter Woche" beginnen kann, statt jede Übung bei null neu erklären zu müssen, bleibt mehr Zeit für die eigentliche Arbeit.

Was das über unsere Methode sagt, ohne dass wir sie behaupten müssen

Wir könnten sagen, dass wir praxisnah unterrichten. Das sagt jeder Bildungsträger. Stattdessen zeigt der Fall, was das konkret bedeutet: Praxisnähe heißt bei uns nicht, echte Logos in eine Präsentation zu kleben, sondern Teilnehmende mit denselben unbequemen Entscheidungen zu konfrontieren, vor denen sie später im echten Job stehen werden — nur früher, günstiger und mit der Möglichkeit, aus einer falschen Entscheidung zu lernen, bevor sie etwas kostet.

TROPEN Kaffee bleibt fiktiv. Die Zielkonflikte, die man dabei lernt, sind es nicht.
Timm Rohles

Timm Rohles

Co-Gründer, verantwortet Curriculum und Erstgespräche

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